Die Mariensäule auf dem Altstädter Ring Foto: Sdruzeni Ackemann-Gemeinde

Mariensäule auf dem Altstädter Ring in Prag wiedererrichtet

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Mariensäule auf dem Altstädter Ring in Prag wiedererrichtet

Der Altstädter Ring in Prag bot am Vormittag des 15. August dieses Jahres würdige Kulissen für ein Ereignis, das für viele einem Wunder glich. Mitten auf dem Platz, dort wo mehr als 250 Jahre die Prager Mariensäule stand, bevor sie 1918 abgerissen wurde, wurde eine religiöse Feier abgehalten. Während dieser Feier hat der Prager Erzbischof und Kardinal Dominik Duka in Anwesenheit von mehreren hundert Gläubigen die wiedererstellte Kopie der Mariensäule eingeweiht. Die feierliche Einweihung der Säule stellte den Abschluss eines langen Prozesses dar, der mit einer unterschiedlichen Intensität mehr als dreißig Jahre für Aufmerksamkeit – nicht nur im Prager gesellschaftlichen und religiösen Diskurs – gesorgt hat.

Die Geschichte der Säule

Die ursprüngliche Mariensäule auf dem Altstädter Ring in Prag galt Jahrhunderte lang als das geistliche Zentrum der Stadt, als Ort des Gebetes aber auch als ein Denkmal an die Ereignisse am Ende des Dreißigjährigen Krieges in Prag. Es handelte sich um eine frühbarocke Sandsteinsäule mit der am Gipfel der Säule stehenden und vergoldeten Figur der Immaculata – der Unbefleckten Jungfrau Maria und vier weiteren Engelsfiguren im unteren Bereich der Säule. Die Höhe der Säule betrug beinahe 16 Meter. Solche Mariensäulen in unterschiedlichen Ausführungen schmücken hunderte von böhmischen, mährischen und schlesischen Stadtplätzen in Tschechien.
Die Säule wurde im Jahre 1650 gebaut. Die Marienfigur und die Engelsplastiken stammen von Johann Georg Bendl, dem Bildhauer des barocken Prags, wie er in der kunstgeschichtlichen Literatur bezeichnet wird. Er gilt in der Kunstgeschichte als einer der führenden Bildhauer der Gegenreformation unter der Kunstprägung durch den Orden der Jesuiten in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts in Böhmen.
Den Anlass für den Bau der Säule lieferten die kriegerischen Auseinandersetzung in Prag am Ende des Dreißigjährigen Krieges im Spätsommer und Herbst 1648 als die Schweden den linken Moldauufer mit Hradschin und Kleinseite besetzt und geplündert haben und in die auf dem rechten Moldauufer liegende Altstadt über die Karlsbrücke durchdringen wollten. Die Altstadt- und Neustadtbürger gemeinsam mit den Studenten der Prager Universität haben jedoch den Schweden einen tapferen Widerstand geleistet und ihren Durchbruch in die Altstadt verhindert. Zum Dank dafür, dass der Prager rechte Moldauufer vor den Schweden verschont blieb, verfügte der Kaiser Ferdinand III. per Dekret am 22. April 1650 die Errichtung einer Säule zu Ehren der Maria Immaculata, deren Fürsprache der Sieg an der Karlsbrücke zugeschrieben wurde. Daran sollte die Inschrift am Sockel der Säule erinnern, wo es auf lateinisch geschrieben stand: „Der ohne Makel der Erbsünde empfangenen jungfräulichen Gottesmutter errichtete der Kaiser aus frommem und gerechtem Dank für die Verteidigung und Befreiung der Stadt dieses Standbild“. Die Inspiration für die Errichtung der Prager Säule ist sicher sowohl in Wien, als auch und vor allem in München zu suchen, wo 1638 die Mariensäule durch den Kurfürsten Maximilian I. errichtet wurde – als Dank für die Erhaltung der Stadt während der Besetzung durch die Schweden im Dreißigjährigen Krieg. Die Einweihung der Säule fand am 13. Juli 1652 durch den Prager Erzbischof und Kardinal Ernst von Harrach in Anwesenheit des Kaisers Ferdinand III. und seines Sohnes Ferdinand IV. statt.
Die religiöse Bedeutung der Säule unterstrich auch der Sockel der Säule, der als eine kleine Kapelle diente und ein wertvolles gotisches Tafelbild beherbergte. Es handelte sich um das Gnadenbild der Jungfrau Maria vom Ring (Panna Maria Rynecká) von einem unbekannten Künstler aus dem 14. Jahrhundert. Die Prager haben vor diesem Bild, der sich ursprünglich im Eigentum der Prager Familie Misseroni befand und an der Fassade ihres Eckhauses am Altstädter Ring angebracht wurde, bei der Belagerung der Stadt durch die Schweden gebetet. Seine Einarbeitung in das Ganze der Säule ist daher als die Fortsetzung seiner Verehrung in der Notzeit zu verstehen. Das Bild wurde öfters auch als das zweite Palladium des böhmischen Landes bezeichnet – in Anspielung auf das „erste“ Palladium – die metallene Reliefmarienikone von Altbunzlau. Regelmäßige Andachten und zahlreiche Prozessionen zu der Säule fanden statt und sie etablierte sich somit zum geistlichen Zentrum mitten in der Prager Altstadt.

Die Zerstörung der Säule

Die Mariensäule stand auf dem Prager Altstädter Ring 268 Jahre lang – bis zum 3. November 1918. Dieser Tag war ein Sonntag. Ein Herbsttag ohne Regen. Die Wetterstation im Prager Klementinum meldete 2°C in der Nacht und maximal 8°C am Tag. Sechs Tage vorher wurde die Tschechoslowakische Republik ausgerufen. Und in fünf Tagen sollte sich das Jubiläum der Schlacht am Weißen Berg wieder jähren. Einer Schlacht, die in der Geschichte der Länder der böhmischen Krone so eine wichtige Rolle spielt. Kein Wunder, dass für diesen Tag ein Volkslager auf den Weißen Berg zusammengerufen wurde. Organisiert von den Sozialdemokraten und Nationalsozialisten. Die neugegründete Republik wurde bejubelt, Festreden wurden gehalten. Es war die Zeit der Abrechnung. Als die Menschenmenge vom Volkslager am Weißen Berg zurück in die Stadt auf den Altstädter Ring kommt, stehen da schon zahlreiche Anarchisten vorbereitet – angeführt durch den Prager Bohemien aus dem Prager Arbeiterviertel Žižkov Franta Sauer. Er hält ein Seil parat, der mithilfe von Feuerwehrleuten um die Säule gezogen wird. Die Säule fällt zum Boden. „So wie wir mit den Habsburger abgerechnet haben, rechnen wir nun auch mit der Katholischen Kirche ab, die so stark von den Habsburgern protegiert wurde.“ Wohl nicht nur in den Augen der Täter galt die Säule als Symbol für eine gewaltsame Rekatholisierung Böhmens nach dem Dreißigjährigen Krieg und die Unterdrückung der tschechischen Nation durch die Habsburger.
Sicher, es gab auch Menschen, welche diese Tat verhindern wollten. Es kam sogar zu einem kleinen Straßengeplänkel, Gendarmen eilte herbei. Aber die Gendarmerie konnte den Abriss trotzdem nicht verhindern. Die aufgebrachte Menschenmenge wollte danach auch zu der Karlsbrücke ziehen, um dort ihr Werk an den Heiligenfiguren von der Karlsbrücke fortzusetzen. Zum Glück konnte die Menschenmenge durch die Soldaten gestoppt werden und so blieb die Karlsbrücke verschont.

Initiativen für die Wiederrichtung der Säule (1918 – 1989)

Der in Prag tagende Tschechoslowakische Nationalausschuss hat bereit am nächsten Tag diese Vandalentat verurteilt und mit einer Anordnung verboten, jegliche Denkmäler zu vernichten. Die Prager Stadträte dachten sogar kurz darüber nach, dass die Säule wiederaufgebaut wird. Da jedoch in wenigen Wochen der Präsident Masaryk in Prag ankommen sollte, hat man die Trümmer der Säule beseitigt (der abgebrochene Marienkopf befindet sich heute im Prager Lapidarium), und den ursprünglichen Platz zugepflastert. Und als Masaryk später seine Meinung zum Abriss der Säule mit eindeutigen Worten kund tat („Wenn die Prager die Säule beseitigt haben, freue ich mich darüber, denn die Säule stellt eine politische Demütigung für uns dar …“), wurde es klar, dass die Zeiten für den Wiederaufbau der Säule ungünstig sind. Trotz des sehr angespannten Verhältnisses zwischen dem neugegründeten tschechoslowakischen Staat und der Katholischen Kirchen in den 20-er Jahren des 20. Jahrhunderts verlief in dieser Zeit noch eine gesamtstaatliche Sammlung für die Erneuerung der Säule. Der finanzielle Ertrag der Sammlung durfte jedoch nicht für den angedachten Zweck genutzt werden und so wurde aus diesem Geld letztendlich der Bau von 12 neuen Kirchen an der damaligen Prager Peripherie finanziert. Für jeden Stern, den Maria um ihren Kopf hatte, sollte eine neue Kirche gebaut werden. Dieser Neubau von Kirchen wurde damals als eine Tat der Sühne gedeutet, wenn der ursprüngliche Zweck der Sammlung nicht erfüllt werden konnte.
Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg gab es noch einen Versuch zum Wiederaufbau der Kirche, der jedoch bald von dem eintretenden kommunistischen Regime gestoppt wurde. Der Gedanke des Wiederaufbaus der Säule konnte daher nur im Exil weitergetragen werden, wo beschlossen wurde, eine neue Marienfigur herzustellen. Dies geschah im Jahr 1954 in Italien, als aus dem Ertrag einer neuen Sammlung unter den tschechischen Exulanten der italienische Bildhauer Alessandro Monteleone eine neue Marienfigur geschaffen hat. Die neue Marienskulptur erinnerte an die ursprüngliche Marienskulptur vom Altstädter Ring, wurde aus dem Carrara Marmor gefertigt und fand ihren Platz im Garten der tschechischen Benediktinerabtei Lisle bei Chicago in den Vereinigten Staaten. Von dort wurde sie 1993 nach Prag gebracht und ein Jahr später im Garten des Prager Prämonstratenser Klosters am Strahov aufgestellt, wo sie bis heute steht.

Wiederrichtung der Mariensäule durch die Gesellschaft für die Erneuerung der Mariensäule auf dem Altstädter Ring (1990 – 2020)

Die neuste Geschichte der Prager Mariensäule ließ sich erst nach der Wende von 1989 schreiben. Sie liest sich wie ein Science Fiction Roman und konnte ohne Weiteres wie eine Wundergeschichte erzählt werden. Bereits im April 1990 wurde in Prag die Gesellschaft für die Erneuerung der Mariensäule auf dem Altstädter Ring gegründet. Die damals noch tschechoslowakische Bischofskonferenz und auch der damalige Prager Erzbischof Frantisek Kardinal Tomasek haben die Gründung der Gesellschaft begrüßt und ihr Ziel unterstützt. Tomasek´s Nachfolger auf dem Prager erzbischöflichem Stuhl Miloslav Kardinal Vlk hat sich dagegen später in dieser Frage eher zurückhaltend verhalten. Der jetzige Prager Erzbischof Dominik Kardinal Duka gehörte wiederum eindeutig zu den Befürwortern des Wiederaufbaus. Eine intensive Unterstützung erhielt die Gesellschaft von Anfang an von einigen Kirchenorden – etwa den Prämonstratensern, den Kreuzherren mit dem Roten Stern und den Franziskanern.
Die Gesellschaft hat sofort damit angefangen, genaue Pläne für die Rekonstruktion der Architektur der Säule erstellen zu lassen, Geld zu sammeln und die notwendige Erlaubnis der Stadt Prag zu gewinnen. Da der politische Wille zu der Erneuerung der Mariensäule in den 90-er Jahren nicht vorhanden war, blieben die an die Stadträte von Prag gerichteten Anträge der Gesellschaft auf die Erneuerung der Säule ohne Erfolg. Trotzdem durfte am 3. 11. 1993 in das Pflaster des Altstädter Rings an der Stelle, wo die Säule früher stand, ein Grundstein eingearbeitet werden, der an die ursprüngliche Platzierung der Säule erinnert hat. Der Grundstein trug – ohne Erlaubnis der Stadt – die Inschrift in vier Sprachen – auch auf Deutsch: „Hier stand und wird wieder stehen die Mariensäule“. Da die Stadt keine Zustimmung mit dem Text gegeben hat, wurden die Worte „wird wieder stehen“ aus dem Stein ausgeschlagen.
Im Jahr 1997 hat die Gesellschaft für die Erneuerung der Säule den tschechischen Bildhauer Petr Váňa angesprochen und ihm den Auftrag zur Wiederherstellung der Säule erteilt. Petr Váńa mit seiner Mariensteinmetzhütte hat sofort mit der Arbeit an dem Werk angefangen. Schrittweise im Verlauf der folgenden zwanzig Jahre wurden von ihm und seinem Hüttenwerk einzelne Teile der Säule wiederhergestellt. Das Material für die Säule kam aus der ganzen Welt. Der Schaft wurde aus einem Sandstein aus Indien gemacht, der Stein für den Sockel wurde von dem italienischen Städtchen Vitorchiano gespendet und der Sandstein für die Marienfigur wurde durch eine Spende eines tschechischen Unternehmens finanziert. Der Künstler und sein Hüttenwerk hat die ganze Arbeit an der Säule kostenfrei ausgeführt. In einem Interview sagte er dazu: „Am Anfang verstand ich die Arbeit an der Säule wie einen normalen Auftrag, wie jede andere Bildhauerarbeit. Mit der Zeit wurde mir jedoch bewusst, dass die Arbeit für die Mariensäule nicht so viel von irgendwelchen Sponsoren oder Finanzmitteln, die eventuell das Magistrat zur Verfügung stellt, abhängig ist, sondern dass diese Arbeit von der Beziehung der Menschen zu der Säule abhängig ist. Wer ein Verhältnis zu der Säule findet, wird davon getroffen. Und ich wurde auf eine solche Weise getroffen. Es wurde mir bewusst, wenn ein Mensch etwas für etwas macht, ist es ein hundsgewöhnliches, banales Ding und es sagt nicht viel. Jedoch wenn man etwas für nichts macht, ist es ein Ausdruck des Verhältnisses zu der Sache, der Idee, dem Werk. Deswegen bemühe ich mich gerade darum, es so zu tun und auf diese Weise zum Ausdruck zu bringen, was ich davon denke.“
Der Hauptteil der Säule, die Marienfigur, wurde im Jahr 2003 fertig. Da das Werk nicht auf den ursprünglichen Ort gestellt werden durfte, hat man die Marienfigur auf eine provisorische Konstruktion neben dem Seiteneingang in die Teynkirche auf dem Altstädter Ring gestellt und besserer Zeiten abgewartet. Innzwischen liefen die Arbeiten an anderen Teilen der Säule fort und die fertigen Teile wurden an verschiedenen Orten deponiert – der Sockel etwa im Garten der Borromäerinnen unter der Prager Burg, die Treppen und die Balustraden in einem Depositar in Jaroměř (Jermer). Die Hoffnung auf die Wiederherstellung der Säule wurde nicht aufgegeben.
Der Magistrat der Stadt Prag hat zwar ständig die Erlaubnis für die Erneuerung der Säule verweigert, ermöglichte jedoch im Jahr 2015 eine archäologische Untersuchung der Fundamente der abgerissenen barocken Säule. Mit dem sich nähernden hundertjährigem Jubiläum der Vernichtung der ursprünglichen Säule wurden die Bemühungen der Gesellschaft für die Erneuerung der Säule intensiver und das Thema der Säule wurde zu einem oft diskutierten Thema in der ganzen tschechischen Gesellschaft. Es ist den Befürwortern der Mariensäule gelungen, eine gültige Bauerlaubnis für die Mariensäule vom Bauamt des entsprechenden Prager Bezirks (Altstadt) zu erlangen. Das, was gefehlt hat, war die Zustimmung des Grundstückinhabers (Stadt Prag) und ein Mietvertag mit der Stadt wegen der Billigung der Baustelle. Die Causa „Mariensäule“ gewann an Aufmerksamkeit.
Das Prager Stadtparlament diskutierte in September 2017 drei Stunden lang zwei Petitionen – eine für den Wiederaufbau, eine gegen den Wiederaufbau – und mit einer eindeutigen Mehrheit beschloss die früher erteilte Zustimmung mit der Platzierung der Säule zurückzunehmen. Diel liberalen (Piraten, Grüne, ANO) und die linksorientierten Parteien (Sozialdemokraten und Kommunisten) stimmten gegen die Säule, nur die konservativen Parteien (vor allem Christdemokraten) votierten für die Säule. Die Diskussionen waren heftig, unübersichtlich und mit vielen Vorurteilen verbunden. Die Fronten waren verhärtet. Der ökumenische Geist litt darunter.
In Februar 2018 wurde als ein Zeichen guten Willens und der Versöhnung ein vergoldeter Kelch an der Hauptfassade der Teynkirche durch die dortige Pfarrei angebracht. Er sollte an den Hussitenkelch erinnern, der dort in der Zeit, als die Kirche utraquistisch war, die Giebelwand zierte und 1623 vernichtet wurde. Dieses symbolische Zeichen fand in der Gesellschaft jedoch wenig Resonanz. Im Sommer 2019 verlief am Altstädter Ring ein Happening der Gesellschaft für die Erneuerung der Mariensäule, bei dem ein Teil der vorher auf einem Schiff auf der Moldau gebrachten Teile der Säule auf Karren und kleine Wagen an die ursprüngliche Stelle gebracht wurden. Man wollte so symbolisch mit dem Bau beginnen. Das Thema „Mariensäule“ wurde paar Tage danach erneut im Prager Stadtparlament diskutiert – und zwar um 5:00 Uhr morgens. Jedoch auch dieses Mal blieben die Stadtabgeordneten bei ihrem „Nein“ zu der Säule.
Eine unerwartete Wende brachte erst die Sitzung des Prager Stadtparlaments im Januar 2020. Die politischen Spannungen in der Regierungskoalition und der Versuch der Opposition, die Regierungskoalition gegeneinander auszuspielen führten dazu, dass der Beschluss vom September 2017 mit 34 Stimmen „dafür“, und 33 Stimmen „dagegen oder enthalten“ verändert wurde und das grüne Licht für die Erneuerung der Säule gegeben wurde.
Drei Woche danach hat man mit dem Wiederaufbau auf dem Altstädter Ring angefangen, denn alles stand bereit. Weitere drei Wochen später kam das Coronavirus nach Tschechien und der Altstädter Ring vereinsamte. Keine Touristen, nur paar Tauben und wenige Passanten waren Zeugen der schnellen Wiedererrichtung der Säule. Am 4. 6. wurde der Schaft und die Marienfigur aufgestellt und eine unglaubliche Geschichte zu Ende geführt. Nach 101 Jahren, 7 Monaten und 1 Tag kehrte die Mariensäule auf den Altstädter Ring. Die Einweihung der Säule wurde am 15. August durch den Dominik Kardinal Duka durchgeführt.
Es ist heute noch zu früh, die Causa „Mariensäule“ zu bewerten. Für viele katholische Christen im Lande ist ein Wunsch in Erfüllung gegangen, von dem sie lange geträumt haben. Maria, mitten im Stadtzentrum leistet ohne Zweifel ihre Fürbitte für die Prager, die sich so heftig um ihre Säule gestritten haben. Für nicht wenige Protestanten bleibt ein Nachgeschmack im Munde hängen. Sie können nur schwer die Argumente der Gegenseite verstehen und in der wiederaufgebauten Mariensäule ein Zeichen der Versöhnung sehen. Wie die meisten areligiösen Tschechen über den Wiederaufbau der Säule nachdenken, lässt sich nur schwer urteilen. Als kunsthistorisches Denkmal wird die Säule wahrscheinlich mit der Zeit akzeptiert und geschätzt. Ob die heutigen Stadtbewohner in der Mariensäule eine tiefere Dimension entdecken werden, bleibt fraglich. So oder so sollte man bei einem nächsten Pragbesuch auf keinen Fall den Altstädter Ring meiden. Denn mit der Mariensäule ist er auf jeden Fall ein anderer geworden, als wir ihn bis jetzt gekannt haben.

Dr. Petr Krizek