Wallfahrt zum Gnadenbild „Maria vom Blut“ in Klattau

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Wallfahrt zum Gnadenbild „Maria vom Blut“ in Klattau

Klattau Rathaus und Jesuitenkirche

Jedes Jahr erhält die Ackermann-Gemeinde in der Diözese Regensburg durch Pfarrer Hůlle aus Klattau/Klatovy eine Einladung zur Teilnahme an der Wallfahrt zum Bild der Maria vom Blut. Die Einladung wird gerne angenommen. Der folgende Bericht bezieht sich auf das Jahr 2019. Corona -bedingt konnte 2020 nur eine kleine Gruppe der Einladung folgen. Es kam dabei freilich zu einer herzlichen Begegnung. Besonders freuten wir uns über die freundlichen Gespräche mit dem Hauptzelebranten, dem früheren Bischof von Pilsen, František Radkovský. Mit ihm verbinden uns Regensburger viele schöne Erinnerungen. Auch weiterhin wollen wir den Einladungen zum Gnadenbild folgen und uns gemeinsam als Deutsche und Tschechen im Gebet vor der Mutter Gottes vereinen. Wir freuen uns auch über Gäste, seien es einzelne Gläubige, seien es Gruppen, für die die Marienfrömmigkeit und das uns mit unseren Nachbarn verbindende Gebet eine Bedeutung hat.
Nachdem die Regensburger Wallfahrer den morgenfrischen Böhmerwald durchquert hatten, tauchten im westböhmischen Hügelland die Türme Klattaus auf. Nicht zu übersehen der große schwarze Rathausturm, vom Böhmerwalddichter Karel Klostermann besungen. Dann die weißen Türme der Jesuitenkirche, die Türme der Dominikanerkirche und schließlich der weiße Turm neben der Stadtpfarrkirche „Mariä Geburt“, der Heimstatt der Gnadenmadonna. Durch Gebete und Gesänge waren die Wallfahrer bereits im Bus von Diakon Prof. Dr. Sigmund Bonk, dem Direktor des Akademischen Forums Albertus Magnus, auf die Begegnung mit der Gottesmutter vorbereitet worden. Ebenso hatten sie von der wechselvollen Geschichte Klattaus erfahren, einer ursprünglich durch Ottokar II gegründeten böhmischen Königsstadt, später in Architektur und Kultur von den Jesuiten geprägt.
Die Wallfahrer wurden auf dem Marktplatz vom Ersten Bürgermeister Rudolf Salvetr und dem für kulturelle Veranstaltungen zuständigen Zweiten Bürgermeister Vaclav Chroust empfangen. Eine exzellente Führung gab es darauf durch die Gymnasiallehrerin Šarka Lezna. Besonders interessierte die Ausstellung in den Katakomben unter der Jesuitenkirche, in der das Wirken der Jesuiten zur Zeit der Gegenreformation dokumentiert wird. Ein Kulturverein Katakomby organisiert hier unter Leitung von Bürgermeister Vaclav Chroust regelmäßig Veranstaltungen, die das jesuitische Erbe bewusst halten. In diesem Sinn werden auch in den Räumen der ehemaligen Jesuitenresidenz zusammen mit der Ackermann-Gemeinde Regensburg Symposien zu böhmisch- bayerischen Beziehungen in verschiedenen Zeitepochen veranstaltet. Neben Professoren der Karlsuniversität Prag und der Universität Regensburg referiert dabei auch der Regensburger Bischof Rudolf Vorderholzer, früher Professor an der Universität Trier.
Nach der Stadtführung bestand die Möglichkeit, in der Stadtpfarrkirche sich vor dem Bild der Gottesmutter in einer konzertanten Aufführung der Lauretanischen Litanei einstimmen zu lassen. Danach gab es für die Wallfahrer eine Stärkung im Hotel Ennius. Die Organisatoren trafen sich zum Essen im Pfarrhof. Dort bestand auch die Möglichkeit, verschiedene deutsche Bürgermeister und Partner Klattaus aus dem Grenzland zu treffen. In deutsch-tschechischer Verbundenheit waren ebenso der Pfarrer und der Bürgermeister aus dem benachbarten deutschen Wallfahrtsort Neukirchen zum Heiligen Blut erschienen.
Am Nachmittag zogen die Wallfahrer in die Stadtpfarrkirche. Es beindruckte das  Gnadenbild über dem Hauptaltar. Dieses war als Kopie eines Bildes der „Madonna del Sanguine“ aus dem oberitalienischen Gebirgsdorf Re nach Klattau gelangt. In Re hatte es nach einem böswilligen Steinwurf zu bluten begonnen und auch Wunder bewirkt. Das Blutwunder sowie andere Wunder wiederholten sich ebenso an der Kopie in Klattau. Das Bild wurde schließlich vom Prager Erzbischof Johann Friedrich von Waldstein in einem Dekret von 1685 als wundertätig anerkannt und ein reges Wallfahrtsleben entwickelte sich.  Viele wundertätige Kopien verteilten sich in Deutschland und im weiteren Europa.
Die feierliche Messe wurde unter großer Beteiligung vor dem Gnadenbild „Maria vom Blut“ zelebriert. Beim Gottesdienst wurde die europäische Bedeutung des Bildes deutlich durch die Predigt eines italienischen Priesters, der aus dem Ursprungsort des Bildes, dem oberitalienischen Re angereist war, und der Teilnahme einer großen Gruppe aus dem württembergischen Bergatreute. Dort existiert ebenso eine wundertätige Kopie. In der eindrucksvollen Messe erfreute es die tschechischen Freunde besonders, dass ein junges Mitglied unseres Leitungsteams, Florian Würsch, als Absolvent des Bohemicums der Uni Regensburg, die Grußworte Prof. Bonks fließend ins Tschechische übersetzen konnte.
Wie wir auch immer die von dem Urbild und den Kopien gewirkten Wunder heute beurteilen, wichtig ist, dass die Jesuiten die Verehrung des Bildes spirituell und theologisch vertieft haben. Unter dem Bild, das vermutlich byzantinische Vorlagen hat, steht der lateinische Satz: „In Gremio Matris sedet Sapientia Patris“ – „im Schoß der Mutter sitzt die Weisheit des Vaters“. Der Verehrer des Bildes wird also über Maria auf Jesus, der die Göttliche Weisheit verkörpert, verwiesen. (Vgl. die Anrufung Mariens in der vorher gesungenen Lauretanischen Litanei als Sitz der Weisheit - sedes sapientiae.) Das Blut verweist auf das Leiden Christi am Kreuz, das tief ins Herz der Mutter dringt. Der Gläubige fühlt sich an den Gesang:“ Christi Mutter stand mit Schmerzen bei dem Kreuz und weint von Herzen“ (das „Stabat mater“) erinnert. So haben die Jesuiten in der Zeit der Rekatholisierung Böhmens einen marianischen Wallfahrtsort geschaffen, der dem entspricht, was später Papst Benedikt als Leitlinien marianischer Frömmigkeitserziehung entfaltet hat: „Es gehe darum, das Eigene des Marianischen in steter Verwiesenheit auf das Christologische zu halten. Die marianische Frömmigkeit werde stets in der Spannung von theologischer Rationalität und gläubiger Affektivität stehen.“
Nach der Messe und der Prozession um den Stadtplatz beschloss ein geselliges Zusammensein von Deutschen und Tschechen mit Bier und Bratwurst, begleitet von böhmischer Musik den festlichen Tag.
Karl-Ludwig Ritzke