Inhalt 2026-2

Vorwort des Vorsitzenden
Die Liebe Gottes muss gelebt und weitergegeben werden
Essenz für ein gemeinsames Europa und für eine bessere Welt
Amtseinführung von Erzbischof Stanislav Pribyl in Prag
Unsere Glaubenszeugen
Osthilfe der Ackermann-Gemeinde und aktuelle Politik in Tschechien
Ein Juwel der Kirche in Kunewald

Vorwort des Vorsitzenden

Liebe Mitglieder und Freunde des Sudetendeutschen Priesterwerks!

Ich lese und schaue gerade die Nachrichten vom Sudetendeutschen Tag in Brünn, den ich leider wegen Verpflichtungen in der Pfarrei diesmal nicht mitfeiern konnte. Bayerns Ministerpräsident Söder wird mit einem Satz zur eigenen Familiengeschichte zitiert und erzählt von einem Onkel, der als Vertriebener wenig Materielles mitgebracht hätte, dafür aber sein Wissen, seine Erinnerung, ein starkes Herz – und die Bereitschaft, neu anzufangen.
"Wir besitzen keine technischen Antworten und wollen auch nicht diejenigen verdrängen, die über das Fachwissen verfügen. Aber wir bringen eine Weisheit über den Menschen mit, die unsere heutige Zeit dringend braucht", mit diesen Worten erwiderte Papst Leo XIV eine Offerte des KI-Entwicklers Olah. Am Pfingstmontag stellte der Heilige Vater selbst seine erste Enzyklika „Magnifica humanitas“ vor.
Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber ich bringe diese beiden „Pfingstereignisse 2026“ gut unter einen Hut. Offene Grenzen, europäische Freizügigkeit und damit Rechte in den EU-Nachbarstaaten für alle Bürger, die nahe an das heranreichen, was unseren Landsleuten nach 1945 abgesprochen wurde. Aber es geht nicht um Rechte, sondern um den Geist, aus dem heraus wir handeln, Brücken bauen und Zukunft gestalten. Die Hand, die „Meeting Brno“ ausgestreckt und hinter die sich wunderbar viele Menschen in Tschechien gestellt haben, beweist einmal mehr, dass es die „humanitas“ allein ist, die uns Fortschritt bringt. Technik, auch die sogenannte „Künstliche Intelligenz“ kann allein ein Werkzeug dazu sein, sie kann wahre Menschlichkeit nicht ersetzen.
Dass wir achtgeben müssen, dass alles technisch Mögliche nicht automatisch auch umgesetzt wird, ist keine neue Erkenntnis. Sie ist und bleibt freilich wichtig – und daran hat der Papst alle Menschen guten Willens erinnert.
Ein kleines Detail am Rande: Leo der XIV zitiert einen großen Erzähler, J.R.R. Tolkien: „Doch unsere Sache ist es nicht, die Welt durch alle Zeiten zu steuern, sondern in den Jahren, auf die wir beschränkt sind, zu tun, was wir können, um das Übel auf den uns bekannten Feldern auszujäten, damit jene, die nach uns kommen, einen guten Boden vorfinden.“

Ihr
Pfarrer Holger Kruschina
Vorsitzender des SPW

Die Liebe Gottes muss gelebt und weitergegeben werden

Festlicher Pfingstgottesdienst mit dem emeritierten Prager Erzbischof Jan Graubner

„Europa durch das Feuer des Heiligen Geistes verwandeln!“ Diese Botschaft richtete der emeritierte Prager Erzbischof Jan Graubner an die Gläubigen beim deutsch-tschechischen Versöhnungsgottesdienst am Morgen des Pfingstsonntags in der Brünner Messehalle.
Lange Tradition beim Sudetendeutschen Tag hat die katholische Eucharistiefeier – meist mit einem hochrangigen Kleriker. In der Vergangenheit waren auch hohe Würdenträger aus Tschechien als Hauptzelebranten zu Gast. Diesmal - in Brünn - stand der emeritierte Prager Erzbischof Jan Graubner der festlichen Feier vor, zu den Mitzelebranten gehörte unter anderem František Radkovský, ebenfalls Bischof emeritus der Diözese Pilsen.
In der Predigt zeichnete der Prager Erzbischof em. zunächst kurz das Heilswirken Gottes von der Geburt Christi über dessen Kreuzestod und Auferstehung bis zur Himmelfahrt und Sendung des Heiligen Geistes nach – alles Ausdruck der Liebe Gottes. Das mit dem Sprachwunder verbundene Pfingstereignis habe damals einerseits zum gegenseitigen Verstehen, andererseits bei vielen Menschen zur Taufe und Erlangung des Glaubens sowie zu dessen Weitergabe geführt. „Auch heute hat der Heilige Geist die Menschen geführt. Wir kommen aus vielen Ländern, in denen wir leben oder gelebt haben. Wir bringen unsere persönliche Lebensgeschichte und die Geschichten unserer Völker mit. Aber oft ist der Kontakt mit persönlichen Mitteln schwierig. Vertrauen wir darauf, dass der Heilige Geist auch heute mit der gleichen Kraft wirkt“, brach der frühere Prager Oberhirte die Pfingstbotschaft auf die heutige Zeit herunter. Als zentral nannte er die Fähigkeiten zu vergeben, zu helfen und Hoffnung zu schenken. „Immer wieder erfahren wir, dass Sicherheit, die auf Besitz und Ideologie gründet, nicht auf Dauer hält. Sie ist anfällig für die Sünde und manipulierbar“, stellte er fest. Weiter verwies er auf das nach der Samtenen Revolution von der tschechoslowakischen und der deutschen Bischofskonferenz damals ausgesprochene gegenseitige Schuldbekenntnis mit der Bitte um Vergebung. Daraus seien viele Initiativen für neue Beziehungen im Sinne gegenseitiger Liebe und Hoffnung erwachsen. „Ich bin überzeugt, dass der Heilige Geist auch heute die Kraft hat zu heilen und eine einzige Familie aufzubauen, die sich versteht. Viel hängt aber von uns ab, ob wir dem Heiligen Geist auch erlauben, zu wirken“, blickte der Erzbischof in die Gegenwart. In diesem Kontext erklärte er, dass die Christen in Tschechien eine Minderheit sind – eine langwierige Folge von Kommunismus und Säkularismus. „Der Heilige Geist kann eine Kultur gegenseitigen Verstehens bewirken und die Erfahrung von Vergebung, Versöhnung und Zusammenarbeit stärken“, führte er aus. Die vom früheren Papst Johannes Paul II. initiierte Neuevangelisierung könne jedoch nicht allein durch professionelle Priester und Ordensleute erfolgen, sondern vielmehr auch durch neue Methoden. „Nicht nur Lehre, sondern Dialog“, konkretisierte er – durch Liebe und Achtung vor dem Anderen und der Wahrheit. „Die Evangelisierung anderer ist nicht möglich, wenn wir uns nicht selbst evangelisieren lassen. Nur so sind die Herzen und der Verstand der anderen zu erreichen. Die Liebe Gottes wird nicht nur verkündet, sie muss gelebt und weitergegeben werden!“ Mit dem eindringlichen Appell, „Europa durch das Feuer des Heiligen Geistes (zu) verwandeln“, schloss Erzbischof em. Graubner seine Predigt.
Die Lesungen und Fürbitten wurden in deutscher und tschechischer Sprache vorgetragen. Vor dem Pontifikalsegen des Erzbischofs sprachen alle das „Gebet zum Jahr der Versöhnung“. Die musikalische Umrahmung oblag dem Chor „Moravia Cantat“ unter der Leitung von Dr. Wolfram Hader sowie Kurt Pascher und seinen Original Böhmerwälder Musikanten. Der Ertrag der Kollekte wird den Neubau der kirchlichen Gregor-Johann-Mendel-Grundschule im Zentrum von Brünn finanziell unterstützen.

Markus Bauer

Essenz für ein gemeinsames Europa und für eine bessere Welt

Podiumsgespräch der Ackermann-Gemeinde zu Versöhnungsaktivitäten in Brünn

Mit der Stadt Brünn, aber auch weit darüber hinaus, beschäftigte sich das Gespräch, das die Ackermann-Gemeinde beim Sudetendeutschen Tag bot. „Versöhnungsaktivitäten in Brünn: Vertreter der Ackermann-Gemeinde und ihrer tschechischen Partner berichten über ihre Zusammenarbeit“ lautete das Thema. Der Bundesvorsitzende der Ackermann-Gemeinde Dr. Albert-Peter Rethmann moderierte die Veranstaltung.
Einleitend stellte er die Gesprächspartner vor: Marie Neudörfl, Bundesgeschäftsführerin der Ackermann-Gemeinde und seit sehr vielen Jahren in der deutsch-tschechischen Begegnungsarbeit aktiv (Rethmann: „Eine der großen Vernetzerinnen im deutsch-tschechischen Dialog und in der Versöhnungarbeit“). Dr. Matěj Spurný, Historiker, tätig am Institut für Zeitgeschichte an der Akademie der Wissenschaften der Tschechischen Republik und seit 1. Juni 2025 Direktor des Instituts für Geschichte an der Philosophischen Fakultät der Karls-Universität Prag. Darüber hinaus Präsident der Bernard-Bolzano-Gesellschaft. Jaroslav Ostrčilík hat Germanistik studiert, war Mitinitiator des Brünner Versöhnungsmarsches und arbeitet als freier Journalist und PR-Berater. David Macek setzt sich schon sehr lange für den deutsch-tschechischen Dialog und europäische Veranstaltungen ein und ist Mitbegründer des Festivals „Meeting Brno“.
Keine direkten sudetendeutschen Bezüge hat Spurný, jedoch deutschsprachige Juden in der Familiengeschichte – auch durch den Holocaust ermordete Vorfahren. „Dieser Teil der Familienerfahrung weckte bei mir damals als 15- bis 17-Jähriger das Interesse für Zeitgeschichte, Diktaturen usw.“, nannte er als einen Aspekt. Ein anderer war sein Interesse für die Landschaft des Riesengebirges, wo er aufwuchs - und wo bis zum Zweiten Weltkrieg Deutsche lebten. So entstand bei ihm ein Interesse für Geschichte, es kam zu Diskussionen über die Vertreibung und schließlich - nach einem Treffen mit Studenten - in einer Prager Kneipe zur Gründung von Antikomplex Anfang 1998.
Bei Jaroslav Ostrčilík bildete das Germanistik-Studium die Basis für sein Engagement. Hier erfuhr er das spezielle „Brünner Kapitel der Vertreibung“, das der durchschnittliche Bürger der mährischen Stadt „noch nicht so zur Kenntnis genommen“ hatte. Das führte zu Überlegungen, etwas zu kreieren, um den schrecklichen Ende Mai 1945 stattgefundenen Brünner Todesmarsch den Brünnern bzw. Tschechen von heute präsent zu machen. Was andererseits aber auch das Interesse der Medien wecken, kurzum greifbar machen sollte und man auf Anhieb versteht. Die Idee vom ca. 32 km langen Gedenkmarsch (zunächst) von Brünn nach Pohrlitz war geboren. „Das damals Passierte wieder ins Bewusstsein“ zu bringen war die Grundintention. Bis heute gibt es den Versöhnungsmarsch – inzwischen in umgekehrter Richtung – vor allem mit Teilnehmern aus Deutschland und Tschechien. Der nunmehr in Brünn durchgeführte Sudetendeutsche Tag war die Quintessenz dieser Entwicklung.
Bei Marie Neudörfl, die aus Budweis stammt, war eine Sommerbegegnung der Jungen Aktion der Ackermann-Gemeinde (Neudörfl: „Angenehm, in einer Jugendgemeinschaft von jungen Europäern zu sein“) der Ausgangspunkt für ihr inzwischen langes Engagement. Das Thema „Vertreibung“ war für sie zunächst nicht so präsent. Beim Studium in Prag wollte sie die zuvor geknüpften Kontakte aufrechterhalten und nahm daher zur tschechischen Partnerorganisation, der Sdružení Ackermann-Gemeinde, Kontakt auf. Nun wurden ihr die spezifischen Themen so richtig bewusst und sie stellte fest, „dass ein Teil meiner Familie vertrieben wurde.“ Aus Gesprächen mit ihrer Großmutter, die zuvor wenig über diese Themen sprach, hat Marie Neudörfl die entsprechenden Aspekte dann richtig verstanden, die zum Inhalt des Verbandes gehören, für den sie seit 20 Jahren arbeitet. Aber auch der christliche Gehalt der Ackermann-Gemeinde spielt für sie eine wichtige Rolle.
Bereits als Ministrant in der Brünner Jakobskirche hat David Macek festgestellt, dass auch deutschsprachige Bürger zur Messe kamen, was ihn sehr beeindruckte. Weiteres Wissen vermittelte ihm das Buch „Die Vertreibung der Gerta Schnirch“ von Kateřina Tučková. Als er zu einem Sudetendeutschen Tag nach Augsburg eingeladen wurde, lag – wie sehr häufig - der Vorwurf des Verrats des tschechischen Volkes im Raum. Für ihn stellte sich daher die Frage, wie es möglich sei, dass diese Angst vor den Sudetendeutschen immer wieder auflebt. In einem Facebook-Beitrag stellte er dann auch die Frage, warum „wir die Sudetendeutschen nicht nach Tschechien einladen?“ Der Brünner Versöhnungsmarsch 2015, 70 Jahre nach dem Todesmarsch, sollte nicht das Ende sein, das Miteinander vielmehr fortgesetzt werden. Daraus entstand schließlich das Festival „Meeting Brno“ mit ganz unterschiedlichen Veranstaltungen, unterstützt auch von der Stadt Brünn.
In der zweiten Fragerunde ging es um konkret erlebte Widerstände, die gegebenenfalls überwunden werden mussten. „Mit Demonstrationen waren wir nicht richtig konfrontiert – und wenn, dann haben sie uns eher motiviert“, blickte Jaroslav Ostrčilík zurück. Positiv eingestellte Tschechen unterstützten „Meeting Brno“, „ein großer Teil der Öffentlichkeit ist heute eingebunden.“
„Wir hatten immer mehr Unterstützung als Widerstände. Drohungen waren zwar dabei. Doch die kann man verkraften, wenn das Leben nicht unter Gefahr stand. Das sind die Scherben des alten Hasses und der Ängste und schaden der tschechischen Gesellschaft und Politik, nicht mir“, analysierte Matěj Spurný. Er wandte sich auch gegen die oftmals in Politik und Bildung verbreitete Forderung, doch einen Schlussstrich zu ziehen. „Eine problematische Kriegs- und Nachkriegsgeschichte kann man nicht so einfach wegwischen. Es gibt keine vernünftige Zukunft, wenn man nicht kritisch über die Vergangenheit nachdenkt und einen Dialog führt“, riet er.
Drei zentrale Momente nannte Marie Neudörfl: Kommilitonen an der Universität, die nicht wussten, was Vertreibung war und was da passiert ist – auch weil dieses Thema in der Schule nicht behandelt wurde. Erst bei persönlichen Gesprächen erfolgte die Aufklärung. Dann das erste Bundestreffen der Ackermann-Gemeinde in Tschechien – 2009 in Pilsen, wo oft die Frage aufkam, „was wir uns zumuten?“ Es war eine „Begegnung mit Freunden“, zitierte Neudörfl die damalige und bis heute gültige Antwort. Und schließlich der Sudetendeutsche Tag vor 15 Jahren, wo insbesondere die Haltung der Tschechen zur Vertreibung ein Thema war. „Es darf kein Relativieren des Leids geben. Zuhören ist der erste Schritt zum Verstehen und zum Verständnis“, fasste Neudörfl zusammen.
„Nur sehr wenige Politiker und Parteien wagten es, das Wort ‚Sudetendeutsche‘ auszusprechen“, blickte David Macek zurück. „Was nun passiert, ist ein notwendiger Bestandteil des Heilungsprozesses“, analysierte er die aktuelle Situation und bezifferte den Anteil der Leute, die hinter dem sudetendeutsch-tschechischen Versöhnungsprozess stehen, auf 50 Prozent. Ostrčilík ergänzte mit der Aussage: „Wenn es ein Politikum wird, müssen viele Tschechen Stellung beziehen - und sind dafür.“
Im Publikum saß mit Ondřej Liška ein weiterer Mitbegründer von Antikomplex. Moderator Rethmann holte ihn daher mit aufs Podium. „Es ist sehr rührend für mich da zu sein, den Freunden zuzuhören und zu sehen, was sie alles geschafft haben“, stellte Liška fest. Bei ihm waren es zunächst in Brünn entdeckte Kanaldeckel mit deutschen Worten, die sein Interesse weckten. Da er keine zufriedenstellenden Antworten erhielt, bleib die Neugier. Ein weiteres Ereignis war im Jahr 1993 eine Sommerfreizeit der Jungen Aktion in Pilsen, an der er als 15-Jähriger teilnahm. „Die Teilnehmer waren gleich jung, hörten die gleiche Musik und stellten die gleichen Fragen. Es war eine Explosion der Freiheit“, blickte er darauf zurück. Und dann stellten sich Fragen, wie die neue Demokratie mitzugestalten sei. Die Erklärung auch der dunkelsten Seiten der Geschichte sei dafür notwendig, war das Credo Liškas und seiner Mitstreiter. Nach dem ersten Kontakt mit der Stadt Brünn habe es noch Ablehnung gegeben („Nestbeschmutzer“), ein Jahr später habe die mährische Metropole ihr Bedauern über die Vorgänge von 1945 ausgesprochen. Überlegungen zu einem Sudetendeutschen Tag in Brünn habe es bereits im Jahr 2005 gegeben. Auch Aussig sei laut Matěj Spurný als Veranstaltungsort angedacht gewesen. „Und auch in der Generation vor uns gab es viele Personen der Versöhnung“, fasste Spurný zusammen und nannte exemplarisch den früheren Botschafter František Černý.
„Für mich als Deutscher sind diese Begegnungen, wie wir sie heute erleben, sehr wichtig und die Essenz für ein gemeinsames Europa und für eine bessere Welt. Wollen wir auf dieser Basis gemeinsam eine Zukunft bauen“, fasste abschließend Moderator Dr. Albert-Peter Rethmann zusammen.

Markus Bauer

Amtseinführung von Erzbischof Stanislav Pribyl in Prag

Mit einem Festgottesdienst im Veitsdom hat am die Erzdiözese Prag ihren neuen Erzbischof Stanislav Pribyl willkommen geheißen. Papst Leo XIV. hatte den 54-jährigen bisherigen Bischof von Leitmeritz/Litomerice und früheren Bischofskonferenz-Generalsekretär im Februar zum Nachfolger von Jan Graubner (77) an der Spitze der tschechischen Hauptstadt-Diözese ernannt. An der feierlichen Amtseinführung nahm u.a. der tschechische Präsident Petr Pavel, der Apostolische Nuntius, Erzbischof Jude Thaddeus Okolo, sowie der Wiener Kardinal Christoph Schönborn und zahlreiche weitere Würdenträger und Vertreter der anderen Kirchen und Religionsgemeinschaften sowie des öffentlichen Lebens teil.
In seiner Predigt unterstrich der neue Erzbischof Pribyl seine Bereitschaft und seinen Wunsch, "Brücken" zwischen Tradition, Glaube und moderner, säkularer Gesellschaft zu bauen. Als Bischof sei es seine Aufgabe, Kirche und Menschen gleichermaßen zu dienen und auch die Gemeinschaft innerhalb der eigenen Diözese zwischen Priestern und Laien zu stärken. Glaube, Bildung, Authentizität und missionarische Offenheit seien "Grundlage jeder kirchlichen Erneuerung", so Pribyl.
Seine eigene Firmung 1983 im Prager Veitsdom durch den damaligen Prager Erzbischof Frantisek Tomásek (1899-1992) bezeichnete Pribyl als Beginn seiner eigenen Berufungsgeschichte. Im Rückblick erkenne er seither deutlich eine Spur göttlicher Führung - eine Spur, der er auch künftig weiter folgen wolle, so Pribyl.
Kardinal Christoph Schönborn, den Pribyl um ein Grußwort gebeten hatte, weil er ihn als Vorbild bischöflicher Amtsführung erachtet, unterstrich die Bedeutung des "Vertrauens zwischen Hirt und Herde": "Gegenseitiges Vertrauen, aufeinander hören, beides ist wesentlich", so Schönborn.
Der Auftrag, aufeinander zu hören, ergehe jedoch letztlich an jeden Christen: "Wir können alle voneinander lernen, wenn wir aufeinander hören. Was Christsein heute heißt, das lernen wir auf diesem Weg". Abschließend gab Schönborn dem neuen Erzbischof den persönlichen Rat, besonders auf jene Stimmen zu hören, die auch unbequeme Wahrheiten aussprechen.
Der Apostolische Nuntius, Erzbischof Okolo, überbrachte Grüße von Papst Leo XIV. Er bezeichnete die aktuelle Situation der Kirche in Tschechien als "wichtige Knotenstelle" ihrer Geschichte. Mit dem Amtsantritt Pribyls und dem Abschied seines Vorgängers gehe eine Ära zu Ende. Zugleich verwies er auf die Herausforderungen einer technisierten Gesellschaft, die aber trotz aller Schwierigkeiten vom Heiligen Geist begleitet werde. Die Zukunft verlange Glaubensmut, Ausdauer und Einheit im Gebet, so Okolo.
Präsident Petr Pavel beschränkte sich auf kurze, protokollarische Worte. Er gratulierte Erzbischof Pribyl zu seiner neuen Aufgabe und unterstrich die Bedeutung eines respektvollen und konstruktiven Verhältnisses zwischen Staat und Kirche. Die Zusammenarbeit müsse auf gegenseitigem Respekt und gemeinsamer Verantwortung für die Gesellschaft beruhen.
Der feierlichen Amtseinführung ging eine mehrtägige Novene voraus, die als geistliche Vorbereitung auf den Amtsantritt diente. Im Mittelpunkt standen Gebet, Besinnung und die Bitte um den Heiligen Geist für den neuen Erzbischof sowie die gesamte Erzdiözese. Diese spirituelle Vorbereitung unterstrich den Charakter des Wechsels nicht als rein organisatorischen Akt, sondern als geistliches Ereignis innerhalb der Kirche.
Der 54-jährige Stanislav Pribyl ist der 38. Erzbischof von Prag und 26. Primas von Böhmen. Er wurde 1996 zum Priester geweiht und ist Mitglied des Redemptoristen-Ordens, dessen Provinzial er von 2002 bis 2011 war. Von 2004 bis 2008 war Pribyl Caritaspräsident der Erzdiözese Prag. Neben Doktortiteln in Theologie und Kunstgeschichte hat der Geistliche auch einen Master-Abschluss in Ökonomie und Management.
2009 kehrte Pribyl als Generalvikar in seine nordböhmische Heimatdiözese Litomerice zurück. Ab 2016 war er Generalsekretär der Tschechischen Bischofskonferenz, bevor ihn Papst Franziskus Ende 2023 zum neuen Diözesanbischof von Litomerice ernannte. Die Bischofsweihe fand am 2. März 2024 statt. Seit April 2025 ist Pribyl auch stellvertretender Vorsitzender der Tschechischen Bischofskonferenz.
Das Diözesangebiet der Erzdiözese Prag umfasst den Zentralraum um die tschechische Hauptstadt, wo nach kirchlichen Angaben rund 580.000 Katholiken unter den 2,4 Millionen Einwohnern leben. In seiner bisherigen Diözese Leitmeritz fand dieser Tage ein Gottesdienst zum Abschied Pribyls als Diözesanbischof statt. Seiner Heimatdiözese bleibt Pribyl aber vorerst auch als Übergangs-Administrator bis zur Ernennung eines neuen Bischofs erhalten.

Quelle: kathpress

Unsere Glaubenszeugen

2024 erschien das „Martyrologium der katholischen Kirche in den böhmischen Ländern im 20. Jahrhundert“, das bisher nur in der tschechischen Sprache vorliegt.
Aus diesem Martyrologium stammen die folgenden Lebensbeschreibungen, die unser Vorstandsmitglied Stanislav Drobny aus dem Tschechischen ins Deutsche übersetzt hat.

Jaroslav Slezinger

Jaroslav Slezinger wurde am 29. April 1911 in Jemnice als der zweitälteste Sohn in einer sehr armen Familie geboren. Sein Vater ist im Ersten Weltkrieg ums Leben gekommen, die Mutter ist also allein geblieben und musste die ganze Familie versorgen.
Außer den armseligen Verhältnissen wurde der junge Jaroslav ebenfalls durch die in der Familie herrschende Frömmigkeit tief geprägt. Das zeichnete sich im täglichen und gemeinsamen Familiengebet und im regelmäßigen Messdienerdienst ab.
Seit der Jugendzeit neigte Jaroslav zur Kunst. Er modellierte die verschiedensten kleinen Plastiken eines Lammes, die er nachher seinen Freunden und Bekannten schenkte. Besondere Aufmerksamkeit bewirkte sein erstes öffentliches Werk zum Gedenken an die Grausamkeiten des Ersten Weltkrieges, die er in einer Gestalt der weinenden Mutter mit ihrem Kind dargestellt hat.
Dieses Werk erweckte sofort Interesse und schließlich eine finanzielle Unterstützung des kunsthistorischen Studiums an der bekannten Hochschule in Horice (1933-35). Danach folgten die Studienjahre in Prag an der Akademie der freien Kunst (1936-1939) und später im privaten Atelier des anerkannten Künstlers Prof. Bohumil Kafka.
Nach dem Abschluss des Studiums übersiedelte der junge Jaroslav nach Brno. Es war im bewegten Herbst 1939. Die Nazis spürten sofort die starke nationale Opposition des Künstlers und reagierten im November dieses Jahres mit seiner Verhaftung und der Deportation ins Konzentrationslager Oranienburg-Sachsenhausen. Drei Jahre dauerte der bittere Aufenthalt in Deutschland. Diese bedrängenden Jahre blieben jedoch nicht ohne Auswirkung auf seine künstlerische Tätigkeit.
Aus gesammelten Brotstücken gestaltete Jaroslav die verschiedensten Darstellungen der bekannten Heilsereignisse bzw. Heilsgestalten, die er dann seinen Mitgefangenen zur Stärkung ihrer geistlichen Kräfte schenkte. Am meisten schenkte Jaroslav die Darstellung des Hauptes Jesu mit der Dornenkrone.
Die Freilassung im Jahre 1942 brachte neue Hoffnungen und Freuden.
Nach mehreren Jahren der ungeduldigen Erwartungen durfte Jaroslav im Oktober 1942 seine liebe Maria heiraten. In den folgenden in Brno verbrachten Jahren wurde der Künstler zum Lehrer, jedoch ohne auf die eigene schöpferische Tätigkeit zu verzichten.
Im Mittelpunkt seiner Aufmerksamkeit standen die schmerzhaften Erinnerungen an die im Krieg verbrachten Jahre. Sie prägten sich am deutlichsten in seinem wohl bekanntesten Relief ein, in dem eine tragische Situation im benachbarten Dorf Hrotovice dargestellt wird. Im Hintergrund stehen die konkreten Kriegsereignisse vom 8. Mai 1945. An diesem Tag wurden nämlich Hrotovice von den russischen Soldaten befreit. Der herrschende Jubel und Trubel bewirkte jedoch den von den Russen unbeabsichtigten Bombenangriff auf die versammelte Bevölkerung, mit den erschütternden Ergebnis: 114 Einheimischen sind ums Leben gekommen, dazu 36 russischen Soldaten.
Die Nachkriegszeit brachte dem Jaroslav keine dauerhafte Erleichterung für die Seele und den Leib.
In der damaligen Tschechoslowakei kamen nämlich die Kommunisten an die Macht und bemächtigten sich rasch des gesamten gesellschaftlichen Lebens. Der gläubige Künstler stand freilich den neuen Diktatoren im Wege. Jaroslav organisierte in Jihlava und in der Umgebung verschiedene illegale Zellen und rief zur Erneuerung der Freiheit und der bürgerlichen Gesellschaft auf.
Diese Opposition spiegelte sich auch in seiner Kunst wider.
In dieser Zeit ist wohl die bekannteste Statue des Meisters entstanden, nämlich die Gestalt des böhmischen Herrn und Märtyrers, des hl. Vaclav. In ihr wurde die vom Volk ersehnte Idee der Freiheit und Selbstbestimmung verkörpert. Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten.
Am 7. September 1949 wurde Jaroslav in Jihlava zusammen mit drei Kollegen verhaftet, gefoltert und in einem Schauprozess verurteilt. Das Urteil des Gerichtes war entsetzlich: Die drei Mitbeschuldigten wurden zur Todesstrafe, Jaroslav zur 25-jährigen Haft verurteilt. Die ersten Jahre verbrachte Jaroslav im Gefängnis in Mirov und danach in Jachimov. Man bezeichnete ihn als MUKL, d. h. als einen Mann, der zur Liquidation bestimmt ist.
Die Lebensbedingungen in Jachimov waren schrecklich. Man arbeitete 12-14 Stunden am Tag. Ohne Feiertage, ohne richtige Ernährung, mit wenig Schlaf und ohne Arbeitsschutz. Besonders die Jahre 1954-1955 waren für Jaroslav die schlimmsten. Er schrieb sogar seiner Frau, dass er den Herrn gebeten hat, ihn lieber zu sich zu nehmen, als weiter zu leben. Der Herr hat ihn erhört. Erschöpft und krank an Leukämie verstarb Jaroslav Slezinger in einem Militärkrankenhaus in Ostrava am 2. August 1955 im Alter von 44 Jahren. Erst nach einigen Tagen wurde seine Frau darüber informiert.
Maria Slezinger erlebte in den folgenden Jahren der kommunistischen Diktatur ihr eigenes Martyrium, aber davon kann wohl später berichtet werden.
Gott sei Dank wurde Jaroslav Slezinger in Brno am 19. Februar 1999 vollkommen rehabilitiert. Sein Vermächtnis wurde ins wahre Licht gestellt. Viele Kunstwerke haben jedoch den kommunistischen Äon nicht überlebt. Etwas ist jedoch geblieben: z. B. die Statue des ersten Präsidenten Tomas Gustav Masaryk, die im Jahre 2011 in Jihlava feierlich aufgestellt wurde.

Vaclav Drbola

 

Vaclav Drbola wurde am 16. Oktober 1912 in Starovicky bei Brno geboren. Seine Eltern, Vaclav und Ruzena, haben sieben Kinder zur Welt gebracht. Nach dem Abschluss des Studiums in Hustopece und im Brunner Alumnat (Seminar zur Ausbildung für die zukünftigen Priester) wurde Vaclav am 5. Juli 1938 zum Priester geweiht.
Er wirkte zuerst in Slavkov und Cucice, danach in Bucovice (Bezirk Vyskov). Im Februar 1950 wurde er zum Kooperator, später zum Administrator der Pfarrei in Babice ernannt. In der Nachkriegszeit war Vaclav in der damaligen Volkspartei tätig. Im Jahre 1946 hatte er das Amt des Stellvertreters des Vorsitzenden inne, im Jahre 1947 war er Mitglied des Finanzausschusses.
Er engagierte sich ebenfalls in mehreren Verbanden des öffentlichen Lebens, z. B. in Orel oder im Verband der katholischen Arbeiter. Nach dem Februar 1948 wurde jedoch seine vielfältigen ehrenamtlichen Aktivitäten durch die stürmische Machtübernahme der kommunistischen Partei verboten. So musste sich der junge Priester Vaclav nur auf die innerkatholische Pfarrseelsorge in eigener Gemeinde beschränken.
Im Januar 1950 wurde Vaclav nach Babice versetzt. Die damalige Lage, sowohl im Dorf, als auch in der Pfarrei sah trostlos aus. Der Vorgänger Pfarrer Arnost Polacek wurde nämlich nach Weihnachten 1949 verhaftet, der Geistliche Jindrich Hladik (der Vorgänger vom Polacek) wirkte unermüdlich in der Opposition, zuerst in der Nazizeit, dann in der kommunistischen Phase. Die jahrelangen Schikanen beider Diktaturen erzwangen bei Hladik die Bitte, die Gemeinde zu wechseln und nach Blansko ziehen zu dürfen. All diese Fakten waren freilich dem Neuangekommenen Vaclav Drbola bekannt. Von daher verhielt er sich von Anfang an zurückhaltend und vorsichtig. Dabei knüpfte er jedoch einige engere Kontakte mit dem Untergrund. Vaclav befreundete sich besonders mit dem Aktivisten der Volkspartei Antonin Plichta. Dieser stand jedoch unter der Aufsicht der Geheimpolizei. Dies hatte für Drbola weitere tragische Konsequenzen. Vaclav war nämlich trotz des verständlichen Abstands zur Umgebung ein aufrichtiger und aufgeschlossener Mensch. Die Hilfsbereitschaft war für ihn immer eine Selbstverständlichkeit. Dies ist ihm jedoch zur Falle geworden. Vaclav konnte nämlich einen sogenannten Auslandsagenten und Helfer des Erzbischofs Josef Beran, den Ladislav Maly nicht richtig einschätzen. Er erkannte in ihm nicht einen gefährlichen kommunistischen Provokateur. Vaclav hat dem Ladislav Maly ein geheimes Versteck von Antonin Plichta bei dem Organisten Ladislav Stehlik verraten. Erst später und durch die weiteren Ereignisse ist es Vaclav immer klarer geworden, wer der eigentliche Freund und Helfer Ladislav Maly ist. Nun suchte Drbola einen Rat bei seinem verlässlichen priesterlichen Freund Jan Podvesky, dem damaligen Pfarrer in Jaromerice. Bei seinem Besuch hat sich herausgestellt, dass nun ihr gemeinsamer Freund und Priester Jan Bula ebenfalls mit ähnlichen lockenden Geschichten vom Verräter Ladislav Maly versorgt worden ist. Deswegen hat Jan Podvesky Vaclav Drbola sofort geraten, alle Kontakte zu Maly zu abzubrechen und sich zurückzuziehen. Es war jedoch schon zu spät…
Gleich danach wurde am 17. Juni 1951 Vaclav Drbola in seiner Pfarre früh morgens verhaftet und nach Jihlava deportiert. Mehrmals wurde er gefoltert und zu unsinnigen Erklärungen gezwungen – jedoch ohne Erfolg. Trotzdem hat man aus ihm durch die verschiedensten konspirativen Hypothesen einen gefährlichen Agenten des Westens und Gegner der wahren Volkspartei – nämlich der Kommunistischen – gemacht. Man beschuldigte ihn als einen geheimen Mitarbeiter und Mentor der antikommunistischen Gruppe von Babice und so folgte nach einem Schauprozess vom 12.-14. Juli 1951 in Brno die Verurteilung zum Tod.
Dieser Schauprozess wurde durch eine große Kampagne begleitet. Die Priester in den umliegenden Gemeinden wurden nämlich gezwungen, ein Pamphlet gegen Vaclav zu unterschreiben und sich vom Verurteilten völlig zu distanzieren. Sogar der deportierte und aus dem Amt entfernte Brünner Bischof ThDr. Karel Skoupy sah keinen Ausweg, als den verurteilten Vaclav Drbola mit einem weiteren Priester Frantisek Paril kirchlich zu degradieren.
Vaclav Drbola wurde am 3. August 1951 in der Gefängnishaft in Jihlava hingerichtet und seine verbrannten Reste auf dem Brünner Friedhof zerstreut. Erst im Jahre 1968 wurde den Verwandten eine Urne überreicht und danach im Geburtsort Starovicky beigesetzt. In den Jahren 1990-1997 wurde Vaclav Drbola rehabilitiert und in diesen Monaten läuft der Prozess zur Seligsprechung.

Helena Kucerova

Helena Kucerova wurde am 6. Februar 1929 in Dobromerice geboren. Ihre Eltern, Frantisek und Helena, hatten noch ein jüngeres Kind. Helena wuchs in einem harmonischen Milieu auf, jedoch ohne christliche Prägung.
Die Familie wurde in der Nazizeit um ihre Eigentümer beraubt. Seit dem Jahre 1943 studierte Helena außerhalb des Hauses und wohnte bei ihren Verwandten. Nach dem Abschluss der sog. Handelsschule im Jahre 1947 arbeitete Helena zuerst als Korrespondentin bei einer Privatfirma und nachher im Sekretariat eines internationalen Handelsausschusses. Wegen den Kontakten mit den Bürgern des damaligen Jugoslawiens musste Helena ihre Arbeitsstelle im Jahre 1948 verlassen.
Schicksalhaft war für sie die Begegnung mit dem Leiter der amerikanischen Druckagentur in Prag, William Nathan Oatis. Der tschechische Geheimdienst bezeichnete diesen als Spion und nahm ihn zusammen mit Helena am 5. Juni 1951 fest.
Vom 13.-15. März 1952 verlief in Prag mit den anderen Angeklagten ein Schauprozess. Das Urteil war erschreckend: Insgesamt 11 Verurteilungen, alle Personen unter 30 Jahre alt, wurden jahrelang bestraft. Für Helena bedeutete es konkret 15 Jahre im Gefängnis.
In der Zelle in Pardubice begegnete Helena einer intellektuellen und zugleich vom christlichen Glauben geprägte Gruppe, geleitet vom Vaclav Vasko. Das bewirkte bei ihr die Konversion.
In den nächsten Jahren saß Helena in verschiedenen Frauengefängnissen und hat viele engagierten Frauen getroffen. Von den Lebensverhältnissen im Gefängnis braucht man nicht viel zu erzählen. Sie waren einfach schrecklich. Die Frauen wurde z. B. gezwungen, in den damaligen Hochhäusern über 50 Kg wiegenden Lasten zu tragen, unter der Schikane des Gefängnispersonales. Wegen der Konversion war jedoch Helen innerlich stark und zufrieden. Der Glaube schenkte ihr viel Kraft. Die ganze Zeit der Haft verstand Helena ihre Verurteilung als ungerecht und zählte sich zu den politisch Verfolgten. Im Umgang mit der Staatsmacht verhielt sie sich immer behutsam und zurückhaltend.
Helena Kucerova wurde schließlich am 10. Mai 1960 freigelassen.
Das Leben in der damaligen Tschechoslowakei bedeutete für sie eine neue Herausforderung. Helena konnte keine entsprechende Arbeit finden. Sie arbeitete zuerst in Prag in einer Schulküche, danach auf einem Bahnhof. Sie war immer politisch aktiv. Das bewirkte ihre zweite schicksalshafte Verurteilung. Es war im Jahre 1961, kaum ein Jahr nach ihrer Freilassung. Der Grund war deutlich genug: Helena kollaborierte mit einer katholisch geprägten Frauenbewegung in der Umgebung von Prag und kämpfte für mehr Freiheit für die Kirche in der Tschechoslowakei.
Am 18. Oktober 1961 wurde Helena zu einer 2-jährigen Haftstrafe verurteilt. Aufgrund der vorherigen Strafe musste sie zusätzlich 6 Jahre in Haft bleiben. Wiederum betritt sie das Frauengefängnis in Pardubice und erneut auch in Opava. Das jahrelange Leiden hat in ihr Spuren hinterlassen. Seit 1965 hat sich ihr Gesundheitszustand wesentlich verschlechtert. Am 21. Dezember 1965 wurde Helena ins Krankenhaus in Brno eingeliefert und bald darauf auch operiert. Die Diagnose war eindeutig: Die Krebsmetastasen im ganzen Körper.
Am 8. Januar 1966 ist Helena Kucerova im Gefängniskrankenhaus in Brno gestorben, in ihrem 37 Lebensjahr.
Von den 37 Lebensjahren hat sie über 13 im Gefängnis verbracht. Ein großes Zeugnis der Tapferkeit und des Glaubens.

Osthilfe der Ackermann-Gemeinde und aktuelle Politik in Tschechien

72. Waldhoftagung der Ackermann-Gemeinde in Freiburg

Ein aktuelles und ein historisches Thema standen im Mittelpunkt der 72. Waldhoftagung der Ackermann-Gemeinde in der Erzdiözese Freiburg. Über 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer fanden sich Mitte März zu dieser traditionsreichen zweitägigen Veranstaltung im Waldhof – Akademie für Weiterbildung ein, darunter auch Verbandsmitglieder aus Nachbardiözesen.
Für das im vergangenen Herbst neugewählte Vorstandsteam begrüßte Philipp Schiller die Gäste, besonders den Referenten Niklas Zimmermann, Historiker und Journalist bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Schiller wies auf dessen inzwischen gedruckt vorliegende Dissertation mit dem Titel „Volksgruppe und Versöhnung. Die Ackermann-Gemeinde als sudetendeutscher Verband und Akteur im deutsch-tschechischen Dialog (1946-2004)“ hin. Ebenso informierte Schiller über die jüngsten Entwicklungen im Bistum Pilsen. Hier wurde im Januar eine Diözesansynode einberufen. Zudem ist nun der Kirchensprengel Nepomuk vom Bistum Budweis an das Bistum Pilsen gegangen.
Unter dem Thema „Konfrontation und Kontinuität: Tschechien unter der dritten Babiš-Regierung“ warf Niklas Zimmermann in seinem ersten Vortrag einen Blick auf die politischen Gegebenheiten in Tschechien seit den Parlamentswahlen Anfang Oktober letzten Jahres. Andrej Babiš’ Partei ANO ging dabei mit 34,51 Prozent als klarer Sieger hervor und bildete zusammen mit der rechtsradikalen Svoboda a přímá demokracie (SPD, „Freiheit und direkte Demokratie“, 7,78 Prozent) und den Motoristé sobě (AUTO, 6,77 Prozent) die Regierung. Im 200 Sitze umfassenden Parlament verfügt diese Koalition über eine Mehrheit von 108 Mandaten. Die bisherige Regierungskoalition von Petr Fiala war also abgewählt worden. „Alle drei nun die Mehrheit bildenden Gruppierungen sind strikt gegen Gegengewichte wie Kontrollen oder Gerichte. Und sie rütteln am öffentlich-rechtlichen Rundfunk und kritischen Medien“, erläuterte Zimmermann. Eine größere Kontroverse gab es um die von der Partei AUTO beabsichtige Besetzung zunächst des Außen- und dann des Umweltministerpostens mit Filip Turek, was Staatspräsident Petr Pavel wegen früherer nationalsozialistischer Äußerungen Tureks jedoch ablehnte. Im weiteren Disput setzte sich der Staatspräsident - auch unterstützt von einer großen Kundgebung am Altstädter Ring in Prag (ca. 90.000 Demonstranten) – durch. Neuer Umweltminister wurde Igor Cerveny, der als eine seiner ersten Amtshandlungen den Leiter der Nationalparkverwaltung im Riesengebirge absetzte. Im Streit um den öffentlich-rechtlichen Rundfunk veranlasste der neue Außenminister Petr Macinka für Radio Prag eine Budget-Kürzung um 25 Prozent für 2026, im Jahr 2027 soll es keine Mittel mehr geben. „Radio Prag steht wohl vor dem Aus. Es gibt größere Bestrebungen der Regierung, Kontrolle beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu bekommen“, erklärte der Referent diese Entwicklung. Dazu soll auch die Abschaffung der Rundfunkgebühren und die Finanzierung aus dem Staatshaushalt dienen, um so einen größeren Einfluss auf Rundfunk und Fernsehen zu erhalten. Der kürzlich erfolgte Abgang des bekannten TV-Moderators Václav Moravec passt ebenso in diesen Kontext. Die jüngsten Treffen Babiš’ mit den Ministerpräsidenten Markus Söder (Bayern), Michael Kretschmer (Sachsen) und mit Bundeskanzler Friedrich Merz dienten, so Zimmermann, neben nachbarschaftlichen Aspekten vor allem dazu, den tschechischen Ministerpräsidenten „ein wenig von den antieuropäischen Regierungen in Ungarn und der Slowakei wegzuziehen und ihn in einem pro-europäischen Kontext zu halten“. Dass sich Babiš in einigen Punkten von Aussagen im Wahlkampf distanziert beziehungsweise eigenständige Positionen vertritt, zeigen die Fortführung der Munitionsinitiative für die Ukraine und seine eher neutrale Haltung zum Sudetendeutschen Tag in Brünn. Abschließend verwies Zimmermann auf den gestiegenen Frauenanteil bei vielen Parteien und die Neuorientierung der Opposition, wo die ODS an Zuspruch eingebüßt und die Bürgermeister-Partei (mit ambitionierten Regionalpolitikern) zugelegt hat. Abzuwarten ist schließlich auch die Entwicklung der Christdemokraten.
Kultur in Form von Musik kommt bei der Waldhoftagung traditionell nicht zu kurz. So boten Annelore Münzmay (Klavier) und Beate Däschler (Querflöte) am Samstagabend einen „Musikalischen Ausklang“ mit Werken aus mehreren Jahrhunderten und unterschiedlicher Komponisten und Stile. So interpretierten die beiden Frauen Stücke von Johann Sebastian Bach, John Rutter, František Benda, Wolfgang Amadeus Mozart, Franz Hünten, Wilhelm Popp und Antonín Dvořák bis hin zum afro-amerikanischen Spiritual „Swing low sweet chariot“ und dem Pop-Klassiker „Scarborough Fair“ von Simon & Garfunkel.
Der Sonntag startete mit der von Pater Déogratias Maruhukiro zelebrierten Eucharistiefeier. Das Evangelium von der Heilung eines Blinden durch Jesus bildete die zentralen Gedanken der Predigt: Heilung und Barmherzigkeit. Eine wichtige Basis für Heilung – auch des Herzens – ist für den Geistlichen der Glaube, der auch in der Episode des Evangeliums erwähnt wird. Heilung bedeute dann, vor allem im Herzen den Geist Gottes zu erhalten und im Glauben zu wachsen, so der Pater. Leben heiße somit, nicht nur gesund zu sein, sondern auch hoffnungsvoll in die Zukunft zu blicken und die Barmherzigkeit Gottes weiterzugeben. Das Geld der Kollekte dient zur Unterstützung der Gründung einer Genossenschaft in Burundi, um Frauen in Schulungen auszubilden und neue Nähmaschinen zu kaufen.
In seinem zweiten Vortrag widmete sich Niklas Zimmermann der Ackermann-Gemeinde, konkret einem Teilbereich der Verbandsarbeit. „Mehr als nur ‚Versuche‘: Die ‚Osthilfe‘ der Ackermann-Gemeinde vor 1989“ lautete das Thema. Einleitend ging er auf zentrale Aussagen aus dem ersten Jahrzehnt ein: das Vertriebenengelöbnis vom 13. Januar 1946 in München (Bekenntnis der eigenen Schuld) und der Gedenkgottesdienst in Haidmühle an der Grenze zur Tschechoslowakei während des Bundestreffens der Ackermann-Gemeinde 1955 (auch Schuld der Sudetendeutschen gegenüber Tschechen; Begriff „Versöhnung“). Beide Statements stammten vom Augustinerpater Paulus Sladek. Diese Inhalte sowie Reiseerleichterungen ab 1963 waren dann die „Basis für den Aufbau von Kontakten in die ČSSR hinein“, so Zimmermann. Er führte Daten aus internen Sitzungen der Ackermann-Gemeinde an (1968: „600 Priester von drüben erfasst“), nannte Namen von Personen aus Kirche und Gesellschaft in der Tschechoslowakei, mit denen Gespräche geführt wurden – darunter auch Spitzel der Staatssicherheit. Hans Schütz, damaliger Bundesvorsitzender, mahnte zu Vorsicht – auch wegen der Verbindung zur Sudetendeutschen Landsmannschaft. Ab den frühen 1970er Jahren gab es verstärkt Einreiseverbote (unter anderem für den damaligen Geschäftsführer Adolf Kunzmann), weshalb die Osthilfe in die Diözesen verlagert wurde. Anhand vieler Quellen zeichnete Zimmermann ein eindrucksvolles Bild des Wirkens der Osthilfe der Ackermann-Gemeinde, was einige Teilnehmerinnen und Teilnehmer durch eigene Erfahrungen konkretisierten. „Es wurden belastbare Beziehungen zu tschechischen Katholiken aufgebaut, die Osthilfe der Ackermann-Gemeinde leistete eine wichtige Brückenfunktion“, fasste der Journalist zusammen.

Markus Bauer