Bruder Herbert Rößler SVD
Am 3. August 2022 verstarb Bruder Herbert Rößler SVD im Alter von 89 Jahren
Herbert Rößler wurde am 20. Februar 1933 in Gablonz geboren. Sein Vater ist im Krieg in Russland gefallen, seine Mutter und seine Schwester kamen wohl bei einem Bombenangriff ums Leben. 1941 kam er in das katholische Kinderheim in Troppau und besuchte dort die Volksschule und den evangelischen Religionsunterricht. Im Jahr 1946 ging es wieder auf die Flucht, erst in ein Lager nach Polen und danach nach Deutschland, nach Bischofswerda. Hier entschied sich Herbert, katholisch zu werden, erhielt von der Seelsorgshelferin Unterricht und wurde am 12. Dezember 1946 auf den Namen Josef getauft. Nach einer entsprechenden Vorbereitung empfing er am 12. Januar 1947 die Erste Hl. Kommunion, und bald ging es von dort weiter nach Bräunsdorf Krs. Freiberg in ein Durchgangslager. 1948 wurde er in Freiberg gefirmt. Darauf erfolgte ein weiterer Umzug in das Katholische Caritasheim Tannenheim, wo er als Landwirtschaftshelfer tätig war. Vom dortigen Kaplan erhielt er manchmal die „Stadt Gottes“, wodurch bei ihm der Wunsch wach wurde, einmal Missionsbruder in der Gesellschaft des Göttlichen Wortes zu werden. Ende 1950 kam er nach St. Augustin, wo er bis 1952 in der Landwirtschaft arbeitete und schließlich 1952 ins Postulat und 1953 ins Noviziat eintrat. 1955 legte er die Erstprofess ab und 1961 die ewige Profess, mit der er sich für immer an Gott und die Gesellschaft des Göttlichen Wortes band. In St. Augustin wirkte er von 1952 bis 1968 in der Küche. In Mönchengladbach machte er eine Ausbildung als Koch, die er mit „mit Auszeichnung“ abschloss. Die Mitbrüder attestierten ihm einen ausgeprägten Geschmack, und sein Verhalten gegenüber andern als äußerst angenehm und wohltuend. Er selbst hatte ja viele negative und belastende Erfahrungen gemacht.
Als 1968 Schwestern nach St. Augustin kamen und u. a. die Küche übernahmen, wechselte Br. Herbert nach Steyl über und blieb dort bis 1986. Nach einem kurzen Einsatz in der Küche übernahm er von 1969 bis 1984 Arbeiten in der Kanzlei und von 1984 bis 1986 im Arnold-Janssen-Sekretariat bei P. Jakob Reuter.
1986 wurde er gebeten, wieder nach St. Augustin zurückzukehren, um dort als Organist zu wirken. Diese Aufgabe erledigte er mit großer Zuverlässigkeit und mit Freude; daneben kümmerte er sich mit Elan um die dortige Cafeteria für Hausbewohner und Gäste.
Aus gesundheitlichen und Gründen wurde er im Oktober 2005 nach St. Gregor in Steyl versetzt, wo er sich nützlich machte und auch beim Orgelspielen aushalf. Durch einen schweren Brand im Nebengebäude von St. Gregor musste die dortige Seniorenabteilung geschlossen werden, und die betroffenen Mitbrüder wurden vom Provinzial zum 1. Juli 2008 dem Seniorenheim der Deutschen Provinz in St. Wendel zugewiesen. Hier lebte sich Br. Rößler gut ein und war bei seinen Mitbrüdern und beim Personal ein geschätzter Gesprächspartner, war immer freundlich und gesellig, ging seinem Hobby Spazierengehen und Orgelspielen in der Missionshauskirche nach, wo er auch hin und wieder die Begleitung von Gottesdiensten übernahm, bis er sich dies nicht mehr zutraute. Manch ein Kirchenbesucher und Beter gab ihm ein positives Echo wegen seiner unaufdringlichen Art, die Orgel zu spielen. Auf seinem Zimmer spielte er weiterhin eine kleine elektronische Orgel. Hier fand man zuletzt auch die Noten des „Salve Regina“. Die „Mutter der Barmherzigkeit“ war für ihn eine treue Begleiterin – besonders in den schweren Zeiten seines so bewegten Lebens. Er sprach davon mit einem tiefen Vertrauen in Gott, der ihn trotz vieler „Schicksalsschläge“ nie verlassen habe, auch in den Tagen der Krankheit nicht, die er mit Gottvertrauen und Humor überstand.
Durch eine plötzliche Verschlechterung seines Gesundheitszustandes bedingt, musste er ins Krankenhaus eingeliefert werden, kam aber bald als Palliativpatient ins Wendelinusheim zurück, wo er im Beisein vom Pflegepersonal und anderen ruhig entschlief.