Monsignore Herbert Hautmann
Am 11. Februar 2026 verstarb Monsignore Herber Hautmann im 92. Lebensjahr
Kennengelernt habe ich Herber Hautmann Anfang der 1950ziger Jahre in Königstein/Taunus. Er war damals Theologiestudent im Priesterseminar und ich im Internat der St. Albert-Schule. Sein offizieller Titel war Präzeptor. Er sollte den Präfekten des Internats unterstützen. Wir Schüler nannten ihn „Bremser.“ Er sollte unseren jugendlichen Übermut in rechte Bahnen lenken und dafür sorgen, dass wir die Hausordnung gewissenhaft einhalten, in der Studierzeit Vokabeln lernen und nicht Karl May lesen.
Geboren ist Herbert 1934 in Eger. Nach der Vertreibung fand die Familie in einem Barackenlager in der Nähe von Regensburg eine erste Unterkunft. Nach dem Abitur ging Herbert in das Priesterseminar in Königstein/Taunus und studierte an der Hochschule Philosophie und Theologie. Das war eine kleine Hochschule, aber mit einer großen Nähe zu den Professoren. Das hat die Arbeit sehr gefördert. Die Studenten waren fast ausschließlich Vertriebene aus den ehemals deutschen Gebieten aus dem Osten und dem Südosten Europas. Sie kamen außerdem aus allen Diözesen der Bundesrepublik. Das war eine sehr anregende Mischung.
Als ich selber auch im Priesterseminar gelebt habe, habe ich Herbert näher kennengelernt. Es gab kaum ein Fest, das er nicht mitgestaltet hätte. Außerdem hat er einige Jahre den Chor geleitet, der die ostkirchliche Liturgie mitgestaltet hat.
Nach Abschluss des Studiums hat sich Herbert für das Erzbistum Bamberg entschieden und ist dort 1960 zum Priester geweiht worden. Einige Jahre später bin ich ihm nach Bamberg gefolgt. Von da an haben wir uns immer wieder getroffen.
Als Kaplan war er in St. Michael in Nürnberg. Als Pfarrer tat er Dienst in Bad Windsheim, in St. Heinrich in Fürth und in Bad Steben. Kaum war er in einem Ort Pfarrer geworden, haben ihn die Mitbrüder gleich zum Dekan gewählt. Neben seiner Arbeit als Pfarrer und Dekan hat Herbert weitere Aufgaben übernommen. Er war Mitglied des Priesterrates, des Diözesanpastoralrates und der Liturgischen Kommission des Bistums. Als Mitglied der Liturgischen Kommission hat sich Herbert dafür eingesetzt, dass auch Lieder aus den Vertreibungsgebieten in den Bamberger Anhang des Gotteslobes aufgenommen wurden.
Diesen Einsatz haben seine Bischöfe gewürdigt. Herbert wurde zum Geistlichen Rat und zum Monsignore ernannt.
Nach seiner Pensionierung hat er sich nicht einfach zur Ruhe gesetzt, sondern als Subsidiar in Stöckach–Forth und Gößweinstein und in den Pfarreien der Umgebung mitgearbeitet.
Mit seiner Geburtsstadt Eger und den Egerländern fühlte sich Herbert sehr verbunden. Als Pfarrer von St. Heinrich in Fürth war er auch Mitglied der Eghalanda Gmoi.
Nach der politischen Wende in der Tschechoslowakei hat sich die Pfarrei St. Niklas in Eger 2008 entschieden, die alte Tradition der Fußwallfahrt von Eger nach Marienweiher in der Nähe von Kulmbach wieder aufleben zu lassen. Pfarrer Petr Bauchner hat Herbert eingeladen, bei der Eucharistie zum Beginn der Wallfahrt zu konzelebrieren. Das war für Herbert eine sehr bewegende Erfahrung.
Im Bistum Bamberg gab es bereits seit 1946 die erste Wallfahrt der Vertriebenen nach Vierzehnheiligen. Bei dieser ersten Wallfahrt war Bischof Maximilian Kaller der Hauptzelebrant. 2006 hat Erzbischof Ludwig Schick Herbert zum Vertriebenenseelorger des Bistums ernannt. Seitdem hat er Jahr für Jahr diese Wallfahrt vorbereitet und dazu eingeladen.
Eine Anregung von Erzbischof Schick hat Herbert gerne aufgegriffen. In mühevoller Kleinarbeit hat er ein Verzeichnis der vertriebenen Priester erstellt, die seit 1945 im Bistum Bamberg gewirkt haben. Es waren fast 150. Neben den nüchternen Zahlen stehen bei vielen Mitbrüdern auch sehr persönliche Hinweise und kleine Geschichten, da er einen großen Teil von ihnen kannte.
Den Wiederaufbau der Wallfahrtskirche Maria Loreto bei Altkinsberg in der Nähe von Eger hat Herbert nach Kräften unterstützt. Gerne hat er dort auch selber die Eucharistie für die deutschen Wallfahrer gefeiert.
1985 übernahm Herbert das Amt des Geistlichen Beirat der Ackermann - Gemeinde im Bistum Bamberg und der Jungen Aktion der Ackermann – Gemeinde. Sooft es ihm möglich war, hat er beim Festgottesdienst am Sudetendeutschen Tag konzelebriert.
Vermutlich seit seiner Priesterweihe war Herbert Mitglied des Sudetendeutschen Priesterwerkes. Einige Jahre gehörte er auch dem Vorstand an. Er war ein engagiertes Mitglied. Er hat mitgedacht, mitdiskutiert und über die Ausrichtung des Vereins mitentschieden. Man musste ihn nie lange bitten. Bei den Treffen des Priesterwerkes hat er gerne die Gestaltung der Liturgie übernommen. Er hat diesen Dienst mit großem Sachverstand getan und einem guten Gespür für die Menschen, die gerade mitgefeiert haben.
Herbert war ein echter Mitbruder: aufgeschlossen, zugewandt, einsatzbereit, humorvoll und immer freundlich. Wir vom Priesterwerk sind dankbar, dass er so lange Mitglied unserer Gemeinschaft war.
Der HERR schenke ihm die Fülle des Lebens!
Karl Wuchterl